BASEMENT

Das Basement zwischen Europa-Center Berlin und Weltkugelbrunnen gelegen, ist seit Januar 2023 als Ausstellungsort für Kunst der Gegenwart des Fachbereich Kultur 
Charlottenburg-Wilmersdorf geöffnet. 

aktuelle Ausstellung

privat

individuell, nicht öffentlich, persönlich


u.a. mit Arbeiten von Ruben Aubrecht,  Nadège Grebmeier Forget, Kaarina-Sirkku Kurz, Susanne Kutter, Sophia Pompéry, Osvald Rasmussen, Nadine Rennert, Martin Rosswog, Judith Samen, Christian Ulrich und Francis Zeischegg

27.04.2024 um 18 Uhr,
Künstler:innengespräch mit
Ruben Aubrecht
Sophia Pompéry
Francis Zeischegg
im Anschluss Finissage


Ausstellung vom 16.02–27.04.2024


Zugang zum Basement Berlin über die Treppen am Weltkugelbrunnen
Tauentzienstr. 9-12, 10789 Berlin

Ausstellungsansichten

v.l.n.r.:  Judith Samen o.T. (Marat), 2009,
Kaarina-Sirkku Kurz, Untitled und Untitled, beide 2020 aus SUPERNATURE

v.l.n.r.: Osv. Rasmussen, Judith Samen, Kaarina-Sirkku Kurz, im Vordergrund:
Ruben Aubrecht, Monopol Cookies, 2020/2022

v.l.n.r. Arbeiten von: Judith Samen, Kaarina-Sirkku Kurz, Ruben Aubrecht
und Christian Ulrich

Christian Ulrich, Aus der Folge, Für einen fremden Freund, 2022

v.l.n.r. Arbeiten von: Christian Ulrich, Francis Zeischegg, Susanne Kutter  
und Judith Samen

links: Elisabeth Kellermann, o.T. (Selbstportrait 2 x) ca. 1930er Jahre 
rechts: Francis Zeischegg, Top view Occidental, 2019

im Vordergrund : Elisabeth Kellermann, o.T. (Rückseite), ca. 1930er Jahre 

v.l.n.r.: Susanne Kutter, t’es a moi, 2020 | Judith Samen, o.T. (Schlafbild), 2001
Sophia Pompéry, miralamentira, 2009 | Thorsten Futh, N. Berggruen, 2011

links: Nadège Grebmeier Forget, Disclosed Navigations ou Le carnet, la glace et l‘outil, 27.01.2022 | rechts: Martin Rosswog, aus der Serie Heritage, 1991- 2010

im Vordergrund: Susanne Kutter, Less home, 2023, 
7 Guckkästen aus Beton mit beleuchteten Fotos

v.l.n.r. Arbeiten von: Nadège Grebmeier Forget, Sophia Pompéry, 
Susanne Kutter, Martin Rosswog, Thomas Huber, Judith Samen, 
und Francis Zeischegg 

v.l.n.r. Arbeiten von: Sophia Pompéry, Nadine Rennert, Kaarina-Sirkku Kurz,
und Susanne Kutter

v.l.n.r.: Sophia Pompery, don‘t worry I‘ll find you a new problem, 2011 
Nadine Rennert, Sack Sterne, 2020
Kaarina-Sirkku Kurz: Alien Element, Electric Facial Skin Rejuvebation
und Template, alle 2020

v.l.n.r.: Sophia Pompery, don‘t worry I‘ll find you a new problem, 2011 
Nadine Rennert, Sack Sterne, 2020
Kaarina-Sirkku Kurz: Alien Element, Electric Facial Skin Rejuvebation
und Template, alle 2020

privat

individuell, nicht öffentlich, persönlich

Der Begriff „Privat“ findet in kunsthistorischen Betrachtungen vielfältige Anwendungen und spiegelt die Wechselwirkung zwischen persönlichen Sphären und öffentlicher Repräsentation wider.
Von jeher haben Künstler ihre innersten Gedanken und Emotionen in ihren Werken ausgedrückt, wobei Selbstporträts als exemplarische Zeugnisse dieser Selbstreflexion gelten. In der Geschichte der Kunst avancierten Avantgarde und Gegenkultur zu Wegbereitern, die die Grenze zwischen öffentlichem Leben und privatem Selbst aufweichten. Künstler wie Stan Brakhage und Andy Warhol wagten es, höchst persönliche Momente wie die Geburt des eigenen Kindes oder den Schlafenden Partner im Privaten öffentlich zu machen. Die Intimität in den Arbeiten von Künstlerinnen wie Nan Goldin oder Tracey Emin wird in ihren Arbeiten von oft scheinbar ungefilterter Authentizität eingefangen.

Wurde in den 1980er Jahren noch gegen die Volkszählung demonstriert, in der nicht nur der aktuelle Bevölkerungsstand erhoben werden sollte, sondern auch Fragen wie „Besitzen Sie die deutsche Staatsangehörigkeit?“, „Welchen Beruf üben Sie aus?“ oder „Welche Verkehrsmittel nutzen Sie?“ gestellt wurden, scheint es in der heutigen Gesellschaft jedoch eine drastische Verschiebung des Privatbegriffs durch die omnipräsente Präsenz sozialer Netzwerke und digitaler Plattformen zu geben. Jeder Einzelne hat nun die Möglichkeit, sein intimstes Privatleben öffentlich zu teilen. Die Frage nach der Authenzität der Bilder die wir sehen und inwieweit die Erklärung „Das Private ist politisch“ aus den 1970er Jahren noch zutreffend ist, was „privat“ und was öffentlich ist, ist der Ausgangspunkt dieser Ausstellung.

Die Frage von Selbstbild und Selbstreflexion taucht in der Videoarbeit Miralamentira (2009) von Sophia Pompéry auf, die Geschichte des wohl ältesten Selbstportraits, das des Narziss. Die Künstlerin nimmt in ihrem Video gleich beide Rollen der antiken Sage ein, als Echo nimmt Sie das Bild des Narziss in sich auf. Das Selbstbild und dessen Rezeption ist auch Thema der Arbeit von Nadège Grebmeier Forget, seit 2015 hat sie unzählige Fotografien und Videos von sich selbst bei der Recherche, in Stille, oder in voller Aktion angehäuft und so eine Art Dauer-Selbstporträt geschaffen. In der Ausstellung kann nun jede(r) sie dabei beobachten wie sie in Disclosed Navigations ou Le carnet, la glace et l‘outil durch den Inhalt ihres PCs scrollt, der in ihrer Praxis häufig als aktivierte Requisite, Beobachtungsschirm, Heim- oder Studioaufnahmegerät und Spiegel verwendet wird.

Die Frage nachdem Selbstbild im Zeitalter des Selfies ist beinahe rein technischer Natur, die meisten Apps oder Programme und auch Selbstportrait Voreinstellungen zeigen uns ein Spiegelbild. Kein Wunder das besonders symmetrische Gesichter Teil eines zeitgenössischen Schönheitsideals sind. Das Werk Supernature von Kaarina-Sirkku Kurz, erkundet die Ästhetik der Plastischen Chirurgie und stellt Fragen nach subjektiven Wünschen und objektiven Idealen. Dabei greift sie in ihren Bildern einzelne Elemente der Körper, die gerade modelliert werden, heraus und stellt diese
in einen aseptischen, von jeglichen Anspielungen befreiten Raum.

Den Kontext vom Verlust der Privatsphäre in der Ära digitaler Informations-technologie thematisiert Ruben Aubrecht mit Monopol Cookies, einer gebundenen Ausgabe von Cookies der Webseite des Magazins „Monopol“. Sein Buch macht plastisch deutlich, wieviele Firmen davon profitieren wenn wir einfach auf „Alle akzeptieren“ klicken.

Während sich früher im Wohnraum mit Hilfe eines Bettvorhangs Privatsphäre geschaffen wurde, wie im Gemälde von Allan Karms, werden heute digitalisierte „Smart Homes“, hochdesignte und arrangierte Innenräume in denen Siri und Alexa, manchmal auch der Kühlschrank, mit uns sprechen, als ideales Zuhause dargestellt.
Das dokumentarisches Werk zu Interieurs traditioneller europäischer Wohn-gebäude auf dem Lande, Heritage (1993-2010 ) von Martin Rosswog, erfasst Haus- und Wirtschaftsbauten als lebendige Zeugnisse vergangener Zeiten, die Fotos gewähren uns Einblick in einen Wohnraum, nicht „Schöner Wohnen“, echte karge Realität. Im Werk von Susanne Kutter spielen Aspekte wie Vergänglichkeit, Zerstörung, Verschwinden, aber auch das Observieren eine Rolle, in Less Home zeigt sie uns Bilder die im öffentlichen Raum entstanden sind. Durch den Schlitz der Betonguckkästen fällt der Blick auf sieben Orte an denen Wohnungslose leben, schlafen; häufig nur zugedeckt verschwinden sie zwischen Ihren Habseligkeiten und sind nicht öffentlich.

Nadine Rennert erforscht mit der Skulptur Sack Sterne die Sehnsucht nach einer Verbindung zum Kosmos, der Blick nach Innen wird von Ihr mit einem Blick zu den Sternen verwoben.Sie untersucht in Ihren Werken die Zustände der seelischen Verfassung des Menschen und seinen komplexen Beziehungen zur Umgebung.
Das Werk von Judith Samen bewegt sich zwischen Inszenierung und Authentizität, wobei sie Themen wie Alter, Schwangerschaft und Kindheit durch Poesie und Drastik miteinander verwebt. In o.T. (Marat), von 2009 zeigt Sie ihr Kind scheinbar schlafend in einer Art Wanne, in der Pose des toten Jean Paul Marat (1743–1793) wie dieser im Gemälde (1793) von Jacques-Louis David dargestellt wurde. Der Blick der Mutter auf das Kind wird verknüpft mit dem Blick in die Kunstgeschichte. Das scheinbar private, der Tod des Marat, die Abbildung des Kindes, wird durch die künstlerische Handlung öffentlich, im Fall des Gemäldes sogar propagandistisch.
Christian Ulrich versucht in der Bildfolge, Für einen fremden Freund, den Selbstmord eines engen Freundes zu be-und verarbeiten, der Selbstmord, die Gefühle des Freundes, die eigenen Gefühle.

Die Installationen, Konzepte und Modelle von Francis Zeischegg erforschen Blickregime in politischen, privaten und soziale Räume, wodurch die Wahrnehmung und die Verortung im Raum zu zentralen Aspekten ihrer Kunst werden. Ihre Arbeit Top View Occidental erlaubt dem Besucher sowohl hinein, hindurch und hinaus zu sehen, so ist jede(r) sich selbst überlassen sich als Betrachter oder beobachted zu sehen. 
In einer Zeit, in der persönliche Informationen im Netz kursieren, bleibt die Frage nach Privatheit und ihrer Inszenierung sowohl in der Kunst als auch im gesellschaftlichen Diskurs hoch aktuell.

Basement Berlin Öffnungszeiten:
Mittwoch – Samstag von 12–20 Uhr
an Sonn und Feiertagen bleibt das Basement geschlossen

Zugang zum Basement Berlin über die Treppen am Weltkugelbrunnen
Tauentzienstr. 9-12, 10789 Berlin

Barrierefreier Zugang über den Lift im Europa Center Berlin möglich. 
Im Untergeschoss dann Bitte den Ausgang in Richtung Breitscheidplatz nehmen.

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